Aus Gemeinde Aktuell 12/2011

Update aus Johannesburg

Informationen von Dichristins aus Südafrika

Liebe Freunde, Verwandte, Unterstützer und Interessierte,
der Sommer ist mit voller Wucht angekommen. Und während die meisten Menschen um uns herum sich über Hitze und Trockenheit beschweren, saugen wir jeden Sommermoment auf Vorrat ein, denn: In nicht einmal vier Wochen ist es für uns vorbei mit Sommer und deutscher Vorweihnachtswinter ist angesagt! Aber dazu später mehr – erst wollen wir Euch in gewohnter Tradition an dem teilhaben lassen, was in den letzten zwei Monaten los war:

Seit wir wissen, dass unsere Südafrikazeit mit großen Schritten dem Ende zugeht, bestand unsere Arbeit hauptsächlich aus zwei Säulen: Wir haben sehr viele Besuche in unseren Organisationen gemacht, um dort mit Leuten für das nächste Jahr ohne uns zu planen und um uns zu verabschieden. Die zweite große Aufgabe der letzten Wochen war natürlich, den Umzug und alles, was damit zusammenhängt, zu planen.
Matze hat zusammen mit Pastor Owen Nkumbi im September wieder die recht ländliche Freistaat-Provinz besucht. Dort wohnt auch der neu ernannte Kassierer aus dem Vorstand des HIV und AIDS Desks. Mit ihm und Owen zusammen hat Matze das Finanzbudget für das kommende Jahr überarbeitet und sein Wissen weitergegeben. So soll die Möglichkeit gegeben werden, dass es auch ohne uns nächstes Jahr finanziell rund weiterläuft, dass das Team weiß, welche Berichte geschrieben und welche Gelder beantragt werden müssen. Außerdem hatten Pastor Nkumbi und Matze dort ein Treffen mit Vertretern einer Gemeinde, in denen sie Grundlagen über HIV und AIDS vermittelten und die Gemeinde motivierten, selbst eine Initiative zu starten, um gegen Diskriminierung zu kämpfen und Betroffenen praktische Hilfe zu leisten.

Im Oktober war Matze zusammen mit unserem Kollegen Alex Strecker in East Lynne/Pretoria in der Gemeinde des ehemaligen Generalsekretärs der Baptist Convention Paul Msiza zu Besuch. Zusammen mit ihm und seiner Frau planten die beiden, wie die Volontärsarbeit in Südafrika 2012 aussehen könnte, wenn keine Missionare aus Europa als Mentoren im Land sind. Hier haben sich einige Möglichkeiten aufgetan, an denen wir nun weiter arbeiten.

Esther war im Oktober zwei Tage in Pampierstad, wo inzwischen unser drittes Volontärsteam seinen Platz gefunden hat. Hier wurde der bisherige Einsatz von Isabel und Lisa ausgewertet, kleine Herausforderungen angesprochen und angegangen und die folgenden Monate geplant. Durch die kontinuierlichen Einsätze von Volontären in den letzten drei Jahren und die dadurch entstandene Fußballsozialarbeit sind hier Beziehungen gewachsen, wie wir sie woanders nicht haben. Dementsprechend verhalten war auch die Freude über dieses letzte Treffen, das für Esther in dem Bewusstsein stattfand, viele liebgewonnene Menschen gar nicht mehr oder zumindest für lange Zeit nicht mehr zu sehen.

Zusammen mit Ihrer Schwester Laura, die Ende Oktober gut zwei Wochen bei uns verbrachte, besuchte Esther auch unser Projekt in Tembisa. Da Laura als Krankenschwester besonderes Interesse am Bereich der Häuslichen Pflege hat, ließ es sich das Team nicht nehmen, uns zu ein paar Hausbesuchen mitzunehmen.

Eine ältere Schlaganfallpatientin wollte Esthers Hand gar nicht mehr loslassen und betonte immer wieder, was das für ein besonderer Tag ist und dass sie Gott noch lange für den Tag danken würde, an dem die weißen Frauen sie besucht haben. Das war ein sehr berührender Moment, der aber auch die traurige Realität widerspiegelt, dass die Welten von Schwarz und Weiß für die meisten Menschen immer noch fast komplett getrennt sind – wenn nicht durch Gesetze, dann doch sozial und meist auch finanziell.


Abschiedsgeschenk

In den Septemberferien wollten wir eigentlich Kollegen in Simbabwe besuchen. Nachdem das leider ins Wasser gefallen war, entschieden wir uns spontan, die letzte Chance zu nutzen und an der Westküste Wale und Delfine anschauen zu gehen. In Zukunft wird das wohl nicht mehr so leicht zu machen sein! Wir hatten einen traumhaften Urlaub in einem kleinen malerischen Fischerdorf. Am Ende der fünf Tage hatten wir tatsächlich Wale, Delfine, Robben und mehr schöne Natur gesehen, als man in so kurzer Zeit verdauen kann, und waren ganz neu berührt davon, wie fantastisch sich Gott alles ausgedacht hat. Ein tolles Abschiedsgeschenk von/aus Südafrika!

Zelte abbrechen

Es ist schon eine seltsame Situation, seine Zelte hier so langsam abzubrechen und noch gar nicht so genau zu wissen, wohin es geht! In den letzten zwei Monaten ist unglaublich viel Zeit dafür draufgegangen, von hier aus eine Wohnung zu suchen und den Umzug zu organisieren. Nach mittlerweile fünf gemeinsamen Umzügen dachten wir, wir wären relativ routiniert, aber diesmal ist doch einiges anders: Unser Haus hier muss komplett geleert werden, mitnehmen können wir aber nur einen Bruchteil. Also sind wir seit Wochen am Annoncieren, Verkaufen, Spedition für Luftfracht organisieren, Einlagern organisieren. Langsam wird es übersichtlicher: Die Tickets sind gebucht und wir werden am 15. Dezember in Deutschland ankommen und dann auch gleich mit dem Umzug beginnen. Nach einer langwierigen und komplizierten Wohnungssuche haben wir die Wohnung bekommen, die wir von Anfang an wollten, in dem Stadtteil, der von Anfang an Nummer 1 auf unserer Wunschliste war. Auch wenn wir Vertrauen immer wieder üben müssen, berührt es uns doch zu sehen, wie Gott für uns sorgt! Und so werden wir ab 16. Dezember in Berlin-Staaken wohnen.

Familie

Noa freut sich sehr auf Deutschland, vor allem auf ihre neue Selbständigkeit: alleine mit dem Fahrrad unterwegs sein, allein zum Bäcker, ein neues Zimmer… Andererseits ist sie wirklich auch perfekt in die Deutsche Schule hier integriert, hat hier ihre beste Freundin und meinte letztens: »Mama, wenn wir im Flugzeug sitzen, werden wir bestimmt weinen, oder?« Ja, das befürchten wir auch fast – aber andererseits wäre es ja auch traurig, wenn es nichts zu betrauern gäbe nach fünf Jahren hier.

Leif ist eher verwirrt dadurch, dass er nicht so ganz versteht, wann wir denn jetzt in dem neuen Haus wohnen werden, wo er auch ein neues Zimmer hat und wann wir wirklich das jetzige Haus verlassen. Wann immer wir woanders übernachten oder wieder nach Hause kommen, fragt er: »Wohin gehen wir jetzt? Wo ist mein neues Zimmer?«

In den letzten Tagen stellte sich auch heraus, dass es eine recht angespannte Situation bezüglich Kindergartenplätzen in unserer Gegend gibt. Esther konnte trotzdem einen provisorischen Anmeldetermin mit einer Leiterin ausmachen. Bitte betet mit dafür, dass Leif dort oder in einem anderen nahen Kindergarten einen Platz bekommt. Und natürlich insgesamt, dass die Kinder (und wir!) den Abschied hier gut schaffen und sich schnell auf die neue Situation einlassen können. Bitte betet auch besonders für die Tage vom 14.–16. Dezember, wo wir abfliegen und umziehen – dafür werden wir sicher extra Kraftreserven brauchen!

Und wie schon im letzten Rundbrief schließen wir mit der Bitte an jede/n einzelne/n, vielleicht eine Weihnachtsgeldspende an EBM in Erwägung zu ziehen. Gerade durch unsere vorzeitige »Umplatzierung« entstehen hier vor Ort Kosten, die für 2011 nicht eingeplant waren, z.B. Rückflugtickets für uns vier, Luftfracht für einen Teil unserer Sachen, Einlagern der Möbel hier vor Ort etc. Das ist im Endeffekt Geld, das dann an anderer Stelle fehlt.

Vielen Dank für all Euer Mitdenken und -beten – wir durften gerade in den letzten Wochen wieder besonders staunen, wie sich alles fügt und wie Gott uns versorgt, wenn auch nicht immer ganz nach unserem (oft ungeduldigen) Zeitplan. Gott segne Euch!
Herzliche Grüße verbunden mit ein paar Sonnenstrahlen und einer Portion Wärme aus dem südafrikanischen Sommer.

Matze und Esther mit Noa und Leif
Johannesburg, am 17. November 2011


Noa, Leif, Esther und Matthias Dichristin,
P.O. Box 2297, 1710 Florida,
South Africa, Tel. 0027.11.4722856, www.dichristin.de

Ergänzende Information der GemeindeLeitung:

Als Gemeinde unterstützen wir die EBM regelmäßig mit einem monatlichen Beitrag von 260,00 € aus der Missionskasse. Dieser Beitrag kommt derzeit Dichristins zu. Wir werden diese Unterstützung zweckgebunden für Dichristins bis März nächsten Jahres fortsetzen und danach mit der EBM klären, ob sie uns eine andere Missionsfamilie nennen können, die wir damit finanziell, aber vor allem auch im Gebet und im Austausch, unterstützen können.


Uwe Zielke